| [26.01.2009] Schmierentheater um das E-Werk Die globalen Netzwerker, im neuen Sprachgebrauch Bankster genannt, hatten sich weltweit so verstrickt, dass am Ende keiner mehr durchblickte. Eine Riesenblase aus Lug und Trug platzte. Herzinfarkt des Finanzsystems. Die berühmten Selbstregulierungskräfte des Marktes wirken zu lassen würde das System zu Grunde richten. Da keiner ein besseres kennt, wird gerettet und Nothilfe geleistet was das Zeug hält, obwohl niemand so richtig weiß, was aus diesem Sumpf überhaupt rettenswert ist. Alle Welt ist dabei, Lehren zu ziehen, obwohl keiner so richtig weiß, wovon und woraus. Aktionismus überall. Nur eines ist wieder sicher: Der Steuerzahler wird bezahlen. Da wurden alle Forderungen, Voraussetzungen und Kriterien in Sachen Bevölkerungsentwicklung, Stadtumbau, Finanzierung und Nutzung über die Jahre bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und beseitigt. „Grundsätzlich wird zu keinem Zeitpunkt der Bearbeitung eines IBA- Themas definitiv nichts mehr korrigierbar sein. Auch die weitere Gestaltung des IBA- Themas ´Grün der Zeit´ ist für Anregungen gerade aus dem Stadtrat selbstverständlich offen. In die demokratische Willensbildung innerhalb des Stadtrates wird sich das IBA-Büro jedoch inhaltlich nicht einmischen.“ Das war einem Antwortschreiben an uns Bürger für Weißenfels auf unsere diversen Änderungsvorschläge zu entnehmen. Wir fanden jedenfalls leider keine Mehrheit im Stadtrat für unsere Vorschläge. Zufrieden geben? So ist nun mal Demokratie? Mitnichten! Eine deutliche Mehrheit der Bürger ist gegen diesen Wahnsinn. Das zeigen diverse Reaktionen, die uns als Bürger für Weißenfels und als Mitglieder des Aktionsbündnisses für die Erhaltung der Weißenfelser Altstadt erreichen. Dieser Protest steht im Einklang mit den Absichten aus Magdeburg, auch für überschuldete Kommunen die Kreditbremse zu lösen, um Städten und Gemeinden die Chance zu geben, Konjunkturprogramme von Bund und Land zur Überwindung der Finanzkrise zu nutzen. Allerdings unter der Maßgabe, dass die geplanten Maßnahmen auch finanziell nachhaltig sind und es sich nicht um „Vergnügungsgeschichten“ handelt. Auch und gerade wegen solcher Prämissen verdient die genannte Zweckbindung eine gesonderte Nachbetrachtung. Hier werde ich später die Lupe anlegen. Gerade weil das E-Werk-Projekt finanziell nicht nachhaltig ist, haben sich die zu Grunde gelegten Privatinvestoren nicht eingefunden. Und was eine Nutzung angeht, handelt es sich um genau solche Vergnügungsgeschichten, wie sie die Stadt sich nicht leisten kann. Hunderttausende Euro wurden in diesem Bereich verbraten und Millionen sollen folgen. An dieser Stelle verweise ich auch gerne auf den Vorsitzenden des Ausschusses für Stadtentwicklung, Günther Oswald. Er lehnt das Projekt grundsätzlich ab und verweist auf die nicht geklärte künftige Nutzung des sanierten Gebäudes und warnt vor den finanziellen Risiken für die Kommune. Dem ist nur hinzuzufügen, was wir BfW seit Jahren predigen und Dr. Otto Klein im Ausschuss mit den Worten zusammenfasste: „Das ist das unnötigste Projekt in Weißenfels überhaupt.“ Zur Stadtratssitzung am 3.7.08 stimmten 27 Stadträtinnen und Stadträte der Vorplanung „Sport und Event“ und Planungsleistungen in Höhe von 129.400,00 Euro für das Projekt E-Werk zu. Im Ausschuss für Stadtentwicklung am 19.1.09 sahen die Relationen schon anders aus: 6 Mitglieder waren dafür und 4 dagegen. Am 29.1.09 stimmt der Stadtrat erneut ab. Es geht dieses Mal um 1,6 Millionen Euro. Es wird sich zeigen, ob aus den Reihen der Befürworter jemand wenigstens aus der aktuellen Finanzkrise gelernt hat und sich in der Lage zeigt, solche Projekte „reagierend und korrigierend zu begleiten“ wie es hochrangige Bundespolitiker für alle möglichen Finanzierungen aktuell einfordern. Da ich die Pappenheimer kenne, gehe ich davon aus, dass sich wieder eine Mehrheit finden wird. Eine Mehrheit für das unnötigste Projekt in Weißenfels. Liebe Leserinnen und Leser, Ihr Hartwig Arps
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