Textbeitrag im „Weißenfelser Heimatboten“, Heft 4. Dezember 2007

Der vergebliche Kampf um Alt-Weißenfels

Die F.A.Z. vom 15.04.2003 schrieb unter der Überschrift „Havanna liegt an der Saale“: „Weißenfels ist baulich ein Präzedenzfall unaufhaltsamer Verödung ... Hinter einer Gasse (an der Marienkirche), in der es Häuser mit dem feinsten Dresdener Bürgerbarock aufnehmen können, stürzt man in die klaffende Brache eines abgeräumten Quartiers. Nackte Brandwände säumen das Areal, Tordurchfahrten enden im Nichts.“ Der Autor der kritischen Worte gehörte zu einer Delegation der Bundesstiftung Denkmalschutz, die in unserer Stadt weilte, um die Förderwürdigkeit hochwertiger Architekturdenkmale zu beurteilen. Damals saß ich auch zum abendlichen Plausch im „Jägerhof“ mit an einem Tisch, an dem Architekten, Stadtplaner, private Geldgeber und Mitglieder der Magdeburger Landesregierung ihre Eindrücke vom Stadtrundgang verarbeiteten. Man war überrascht von der Qualität zahlreicher Einzeldenkmale, äußerte aber auch Betroffenheit über den maroden Zustand ganzer Häuserzeilen in der Innenstadt und Unverständnis darüber, dass bisher scheinbar zu sehr auf die Modernisierung innerstädtischer Straßen und der Stadtrandsiedlungen Wert gelegt wurde und die Instandsetzung des historischen Altbaus missachtet hatte. Die vorsichtig geäußerte Empfehlung, doch vorrangig das Herz der Stadt, die historische Altstadt, wieder in Ordnung zu bringen, um sie für die hier lebenden Menschen und Touristen anziehender zumachen, entsprach auch vollkommen meiner Auffassung. Im Verlauf des Abends unterbreitete ich der Tischrunde meine Vorstellung darüber, wie die Brache in der Marienstraße zu einem attraktiven grünen Wohnpark in der Form eines Amphitheaters umgestaltet werden könnte. Meine Vorstellungen waren kurzgefasst folgende:

Um wieder Menschen im Stadtzentrum anzusiedeln und historische Bausubstanz zu retten, sollten leerstehende Gebäude in der Marien- und Klosterstraße mit den dazu gehörenden Grundstücken aus städtischem Besitz unentgeltlich an bauwillige junge Familien (Selbstnutzer) abgetreten werden. Diese sollten dann optimal mit Fördergeldern ausgestattet, steuerrechtlich und verwaltungstechnisch unterstützt und durch eine gesonderte Stabsstelle im Rathaus betreut werden. Mit diesem Gesamtpaket an Maßnahmen sollte danach die Stadt eine professionelle Werbetour veranstalten, die über die Stadtgrenzen hinausgeht. Bedingung für die Vergabe von Grundstücken sollte sein, dass nach Möglichkeit die historischen Gebäude, zumindest aber ihre Fassaden, bewahrt und die alten Straßenansichten und Raumkanten erhalten bleiben. Im Inneren der Häuser und an ihren straßenabgewandten Seiten könnte dagegen ein möglichst großzügiger individueller Umbau gestattet werden, etwa durch die Anlage von Terrassen, Balkonen, Grünflächen oder Gärten. Auch die Öffnung der rückseitigen Dachflächen zu luftigen Wohnbereichen und die Errichtung von Stellplätzen oder Garagen an den hinteren Hauswänden sollte ebenso möglich sein wie das Anlegen von Stellplätzen für Besucher und Kunden vor den Häusern. Außerdem sollte die Klosterstraße vom Durchgangsverkehr abgehängt oder ihre Verkehrsberuhigung festgeschrieben werden. Meine Gesprächspartner waren nicht nur interessierte Zuhörer, sondern sie drückten mir auch die Daumen, dass die von mir geäußerte Absicht, diese Vorstellungen in den Stadtrat einzubringen, auf offene Ohren stoßen möge. Herr Stapenbeck aus dem Bauministerium Magdeburg meinte sogar, dass ein solches Konzept als Pilotprojekt eine Sonderförderung des Landes erfahren könne.

In der folgenden Stadtratssitzung unterrichtete ich damals die Abgeordneten über die Eindrücke der Stiftungsmitglieder und ihre Kritik an der Stadtentwicklungspolitik und unterbreitete ihnen auch meine Gestaltungsidee zum Quartier Marienstraße. Die Reaktionen darauf waren überwiegend negativ. Der Oberbürgermeister bestritt, dass die Delegationsmitglieder um Prof. Kiesow einen negativen Eindruck von der Stadt mitgenommen hätten, und CDU-Stadträte unterstellten mir sogar, dass ich nicht die Sicht der Experten, sondern meine persönliche Meinung zur Stadtentwicklung vorgetragen hätte. Trotzdem schrieb ich danach meine Vorstellungen als schriftlichen „Antrag zur Revitalisierung des Wohnquartiers Klosterstraße/Marienstraße“ auf und reichte ihn zur 46. Sitzung des Stadtrates am 2. Oktober 2003 ein. Die Verwaltung wurde daraufhin vom Stadtrat beauftragt, daraus bis zum 29.01.2004 erste Vorstellungen zu einer möglichen Projektentwicklung abzuleiten. In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses an diesem Tage wurde jedoch mein Konzeptvorschlag nicht beachtet und dagegen von der Verwaltung ein eigenständiges Papier mit „völlig offener Projektidee“ und unklarer Zielstellung vorgelegt, das vom Ausschuss dann auch folgerichtig abgelehnt wurde. Die Verwaltung hatte ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Nach einer gründlichen Überarbeitung und beträchtlichen Erweiterung, an der auch Stadtrat Hartwig Arps maßgeblich mitgewirkt hatte, reichte ich das Konzeptpapier Anfang Februar 2004 erneut als Antrag im Büro des Stadtrates ein.

Inzwischen hatten sieben Weißenfelser Bürger von meinem Konzeptpapier erfahren und ihr Interesse am Erwerb historischer Gebäude im Stadtzentrum bekundetet, falls es zur Gewährung des Gesamtpaketes an Förderungen kommen würde. Anstatt nun diese Bürger persönlich einzuladen und ihnen in einer gemeinsamen Beratung die notwendige Unterstützung in Aussicht zu stellen, falls der Stadtrat es beschließen würde, kam es seitens der Stadtverwaltung nur zu einer telefonischen Anfrage bei ihnen. Gegenstand dieser war es, ihre Interessiertheit am Erwerb eines Hauses zu überprüfen, ohne auf die Möglichkeit der Förderung einzugehen. Damit war das Interesse der Bürger an einer Immobilie verständlicherweise schnell verblasst, worüber die Verwaltung die Abgeordneten mit unverhohlener Schadenfreude in Kenntnis setzte. Im Stadtrat selbst kam es danach nicht mehr zur Vorlage meines Konzeptentwurfs. In der Folgezeit reichten dem Stadtrat noch andere Abgeordnete und Bürger Vorschläge zur Gestaltung der Brache Marienstraße ein. Am interessantesten darunter waren zwei Projektskizzen des Architekten Werner Ehrich aus Kleinkorbetha, der in ihnen auch der Erhaltung der historischen Bausubstanz Beachtung schenkte. Hervorzuheben war vor allem der Entwurf einer Begegnungsschule „Herbst-Zeit-Los“. Dahinter verbarg sich der schöne Gedanken, Jugendliche und junge Familien gemeinsam mit älteren Menschen in der Marienstraße anzusiedeln, damit sie voneinander profitieren können. In den verschiedenen Wohnungen und Begegnungsstätten sollten Ältere den Jüngeren ihr Wissen vermitteln, u.a. auch bei der Kinderbetreuung helfen, und Jüngere lernen, die Älteren zu unterstützen und zu versorgen. Dieses Projekt bezog auch das St. Klarenkloster ein. Doch wurde dieser Entwurf dem Stadtrat vorenthalten. Oberbürgermeister Rauner ließ dann die Stadträte am 15.03.2004 offiziell wissen, dass auch mein Vorschlagspapier zur folgenden Stadtratsdebatte nicht in die Tagesordnung aufgenommen werden könnte, da an diesem Tage neben dem Haushalt andere wichtige Fragen zu klären seien. Damit war mein Konzept endgültig gestorben.

Völlig überraschend kam es dagegen aber im April 2004 zur Vorlage und Diskussion eines Vorschlages des Stadtrates Martin Neumann, der den Komplettabriss der Häuser Marienstraße 5 bis 11 (Nr. 1 und 3 waren inzwischen der Abrissbirne zum Opfer gefallen), Klosterstraße 15, 21 bis 37 und 10 bis 16 sowie die Schuhgasse komplett forderte, um danach die Brache temporär zu begrünen. In der teils heftig geführten Diskussion bekam ich in meinem Protest wertvolle Schützenhilfe von den Stadträten Hartwig Arps, Robby Risch und Hanjo Stehlik. Neben „Totschlagargumenten“ wie nicht bezahlbare Instandsetzung, Schandfleck, Imageschaden für die Stadt, alte Buden, die das Stadtbild verschandeln und dem Vorwurf an mich: „Warum ziehst du nicht in ein solches Haus?“, wurden auch alte DDR-Argumente hervorgeholt. Niemand wollte angeblich in Häusern mit einer Raumhöhe von 2,20 m wohnen. Ein PDS-Stadtrat argumentierte für den Abriss, weil er noch immer den muffigen Geruch seiner elterlichen Wohnung aus Kindheitstagen in der Nase verspürte. Das sich der Sanierungsaufwand historischer Gebäude auch wirtschaftlich lohnt, zeigt zwar das Beispiel des Stadtrates Arps, der gemeinsam mit seinen beiden Söhnen acht sog. „alte Buden“ in der Innenstadt saniert und darin 35 Wohn- und Geschäftseinheiten vermietet hat. Doch das war kein Argument, das man akzeptieren wollte. In der FDP-Fraktion wurde letztlich angezweifelt, „inwieweit Weißenfels im Vergleich zu anderen Städten überhaupt eine Außenwahrnehmung als Barockstadt“ erfahre. Leider kam die Feststellung des Ministers für Bau und Verkehr unseres Landes, dass doch Weißenfels die Barockstadt im Lande sei, nur müsse die Stadt mehr daraus machen, zu spät, um diese Auffassung zu entkräften. Die Meinung des Oberbürgermeisters war: Da der Zustand der Häuser der Stadt mehr schade als nütze, sehe er in ihrem weiteren Erhalt keinen Sinn mehr. Daher sei künftig eine „Konzentration der Kräfte und finanziellen Mittel nur noch auf die bedeutendsten Bauwerke dieser Zeit geboten“. Obwohl die unglaubliche Zahl von 19 Gebäuden aus dem 18. und 19. Jh. nunmehr auf dem Abriss-Index standen, stimmte die Mehrheit der Stadträte dem Antrag von Stadtrat Neumann zu.

In der Diskussion blieb auch mein eindringlicher Verweis auf den großen historischen und städtebaulichen Wert der Gebäude Marienstraße 5 bis 11, die wie die Kavaliershäuser noch aus der Zeit um 1720 stammten, ungehört. Diese barocke Häuserzeile, erst nach der Wende mit Fördermitteln notgesichert, wurde im August/September 2004 wieder mit Hilfe von Fördermitteln weggebaggert. Ihr Verschwinden aus dem Stadtbild war ein schmerzlicher Verlust für Weißenfels. Nach Dr. Seyfried war der Straßenzug „wegen seiner Geschlossenheit ein besonderes Denkmal der barocken Stadtbaukunst einer mittleren Residenzstadt“, er „dokumentierte anschaulich die innerstädtische Architektur des residenzstädtischen Bürgertums“ und war daher sogar von überregionaler Bedeutung. Die nachfolgend genannten Gebäudeeigentümer dieser Straße stehen stellvertretend für diese bürgerliche Schicht von einst:

  • Samuel Hoffmann, Fleischhauer (genannt 1676)
  • Adam Bodenstein, Kunstmacher (1680)
  • Johannes Janicke, fürstl. Kammerdiener (1668)
  • Philipp Brettschneider, Gewürzkrämer (1669)
  • George Paul Rößler, fürstl. Kammerlakai (1675)
  • Johann Christoph Krieger, fürstl. Einnehmer (1692)
  • Hans Paul Friemler, Schlossermacher (1709)
  • Johann Christoph Pabst, Goldschmied (1716)
  • Johann Elias Urlaub, fürstl. Hoftrompeter (1717)
  • Michael Hoffmann, Kunstmaler (1718)
  • Andr. Benj. Praetorius, fürstl. Reg.-Sekretär (1727)
  • Paul Krause, Obsthändler (1730)
  • Johann Friedrich Bleymüller, Goldarbeiter (1738)
  • Frdr. Salomon Bretnütz, fürstl. Geheimrat (1740)
  • Johann Michael Heyne, Kaufmann (1740)
  • Johann Christian Lippold, Advokat (1740)

Die Missachtung der Konzepte von Klein und Ehrich durch Verwaltung und Stadtrat sowie der schnelle Einsatz der Abrissbirne waren lange Zeit nicht recht verständlich, doch sollte sich das in der zweiten Jahreshälfte 2004 klären. Dann legte nämlich Stadtrat Martin Neumann für die Weißenfelser Wohnungsbaugesellschaft (WBG), bei der er als Technischer Vorsitzender angestellt ist, ein Neubauprojekt für die Südseite der Marienstraße vor. Jetzt wurde allen klar, warum unsere Gestaltungsentwürfe keine Chancen hatten. Es war längst eine Bebauung ausgekungelt worden, die nun schon aus Prestigegründen nicht gefährdet werden durfte. Was allerdings zum Vorschein kam, war in höchstem Maße kritikwürdig und strotzte städtebaulich und gemessen am historischen Gebäudeverlust an gedanklicher Mäßigkeit der Architekten, Stadtplaner und Entscheidungsträger. Vorgesehen war der Bau von zehn vorstädtischen Reihenhäusern, sog. Passivhäuser von billiger Machart, mit vorgelagerten kleinen Hausgärten und Carports mit dahinterliegendem Mauerabschluss zur Klosterstraße hin. Da die Funktion dieser Häuser von der einfallenden Sonnenenergie abhängig ist und angeblich die Häuserzeile in der Klosterstraße bei tieferstehender Sonne die Energiezufuhr verhindern würde, musste ihr Abriss unbedingt erfolgen. In östlicher Verlängerung der Reihenhäuser sollte sich dann der mächtige Bau eines Altenheims anschließen, dessen Investor das DRK war, in dem Herr Neumann ebenfalls den Vorstandsvorsitz innehat.

Schnell waren sich Stadtverwaltung und Investoren über alle Modalitäten der Projektumsetzung einig: Faktisch unentgeltliche Grundstücksübertragung, optimale Ausstattung mit Fördermitteln, ebenfalls geförderte Abrisse der historischen Häuserzeile, Betreuung der Maßnahmen durch zügige Verwaltungsentscheidungen im Rathaus etc. Den beiden Investoren kam nun gewissermaßen das gesamte Paket an Förderungen zu, welches ich in meinem Konzeptpapier für potenzielle private Selbstnutzer der Gebäude in der Klosterstraße vorgeschlagen hatte. Der Oberbürgermeister und die Mehrheit der Abgeordneten stimmten beiden Projekten zu.

Die Problematik des Bauvorhabens stand auch außerhalb von Weißenfels in der Kritik. „Weißenfels übt Stadtumbau“ titulierte beispielsweise die Mitteldeutsche Zeitung am 20.05.06 ironisch. Der Autor des Beitrages kritisierte im Zusammenhang mit dem sichtbaren Niedergang der Altstadt sowohl den Umstand, dass man bereit sei, „Altbauten zu opfern, um vorstädtische Lebensqualität ins Stadtzentrum zu tragen“ als auch die „Einfallslosigkeit (des Projektes) in städtebaulicher Hinsicht“.

Noch eindeutiger war die Kritik des Kultusministers unseres Landes an der Stadtentwicklung: Man habe sich in Weißenfels im Gegensatz zu anderen Städten bisher nur „auf Straßenbau und auf Sanierung der Plattenbauviertel, bei Geringschätzung der historischen Altbausubstanz, konzentriert. ... das ist ein Versagen der Verantwortungsträger vor Ort ... Es kann nicht sein, dass Einfamilienhäuschen mitten in die Stadt gesetzt werden und das am Ende diese Stadt ein postmodernes Antlitz bekommt, das praktisch beliebig ist und niemand mehr anspricht.“

Diese Einschätzung entspricht auch der Auffassung meiner Fraktionsmitglieder im Stadtrat und der des Aktionsbündnisses. Obwohl für das Aktionsbündnis im Bemühen um die Bewahrung des kulturellen Erbes unserer Heimatstadt nicht alle Blütenträume reiften, da wir gegen eine zu mächtige Gegnerschaft von Verwaltungsapparat, Mehrheit im Stadtrat und allzu oft einer parteilichen Lokalpresse nicht ankamen, so haben wir doch wichtige Teilerfolge errungen. Dazu zählt zweifellos auf der politischen Ebene, dass die beiden Stadträte der Statt Partei, Astrid Degner und Rainer Pfannenschmidt, ihre Fraktionsbindung mit der FDP und der Freien Wählergemeinschaft aufkündigten und seither die Fraktion Bürger für Weißenfels verstärken. Es war ihnen aufgrund der Haltung ihrer ehemaligen Fraktion zur Stadtentwicklungspolitik nicht mehr möglich, darin weiter mitzuarbeiten.

Auch wenn wir die Abrisse in der Marien- und Klosterstraße nicht verhindern konnten, so dürfen doch die WBG-/DRK-Projekte nicht in der ursprünglichen Version umgesetzt werden. Zum Teil mussten erhebliche Abänderungen vorgenommen werden. Ein Hauptverdienst daran kommt unserem Vereinsvorsitzenden, Herr Rüdiger Hoffmann, zu. Ihm war es gelungen, Bundesbauminister Tiefensee auf die enormen städtebaulichen Probleme in der Stadt aufmerksam zu machen. Der Minister schickte daher eine Expertengruppe des Denkmalschutzes nach Weißenfels, die in mehreren Arbeitsrunden die Bauvorhaben mit der Stadtverwaltung, den Investoren und Architekten überarbeiteten. Auch wenn nach unserer Auffassung keine allseits befriedigenden Lösungen herausgekommen sind, musste die WBG wieder einen beträchtlichen Teil ihrer Grundstücke im Bereich der Klosterstraße an die Stadt zurückgeben, damit dort wieder eine Straßenrandbebauung möglich wird. Damit sind die vorgesehenen Grenzbebauungen mit Stahl-Containern gegenüber dem Novalishaus endgültig vom Tisch. Welche Form der Bebauung an dieser Stelle erfolgen wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen. Auch wurde die ursprünglich vorgesehene Anzahl von zehn Reihenhäusern in der Marienstraße zunächst auf neun und schließlich auf sieben reduziert. Allerdings kann der Wechsel von Haus und Garage keineswegs befriedigen. Der Eindruck des Vorstadtmilieus hat sich dadurch weiter verstärkt.

Der mächtige Baukörper des DRK-Altenheims darf nach Festlegung der Experten nur mit einem Flachdach gebaut werden, was seine Wucht und Gedrungenheit im Umfeld der Wohnbebauung noch verfestigt. Dieses Gebäude, das inzwischen im Rohbau fertiggestellt ist, erdrückt optisch geradezu seine Nachbargebäude. Hinzu kommt, dass der breitgelagerte Bau nach Osten hin die engen Zwischenräume zu den barocken Altbauten in der Marien- und Klosterstraße dermaßen einengt, dass an dieser Stelle bei den künftigen Bewohnern kaum befriedigende Ausblicke möglich sein werden. Außerdem wurde das massige Altenheim zur baulichen Konkurrenz des Novalishauses. Nachdem im Juli 2007 die Gebäude in der Klosterstraße abgeräumt worden sind, erfolgte am 9. November 2007, also noch im Festjahr „350 Jahre Sekundogenitur Sachsen-Weißenfels“, auch der erste Spatenstich für die Errichtung der sieben Energiesparhäuser der WBG in der Marienstraße.

Was sich hier im Herzen der Altstadt zwischen Jüden- und Klosterstraße getan hat und wohl auch künftig noch tun wird, ist für alle Beteiligten kein Ruhmesblatt. Nur dem Oberbürgermeister scheint es zu gefallen. Lobte er schon die eingeebnete Fläche nach dem Abriss der Häuser in der Klosterstraße mit „Gott sei Dank, jetzt sieht alles sehr ordentlich aus“, so würdigte er den Initiator des WBG-Projektes am Tag des ersten Spatenstiches mit den Worten: „Wenn ich einen Hut hätte, würde ich ihn jetzt vor Martin Neumann ziehen.“ Da wird über Alt-Weißenfels noch manche dunkle Wolke aufziehen, denn angekündigt wurden schon mal Abrisse von zwei weiteren Gebäuden in der unteren Zeitzer Straße und des Hauses Georgenberg 23. Und für die Behebung des beträchtlichen Leerstandes im Stadtzentrum gibt es noch immer kein schlüssiges Gesamtkonzept seitens der Stadt.

(Fortsetzung folgt)

Dr. Otto Klein

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