Leserbrief vom 09.09.2008 an die WS

Unverdauter Wahlkampf wirkt bei den Stadtratsfraktionen nach

Die letzte Stadtratsitzung war geprägt von der Darstellung der wirtschaftlichen und politischen Positionen der Fraktionen. CDU, Die Linken und FDP stellten eindeutig klar, dass sie nur bereit sind, den bisherigen Kurs weiter zu führen und Veränderungen in der Wirtschaftspolitik durch OB Risch nicht zu dulden. Einzig die SPD-Fraktion ließ dem neuen OB etwas Luft und signalisierte im Ansatz Kompromissbereitschaft. Herr Risch versuchte nach den ersten 4 Wochen seiner Amtszeit vorsichtig, manchmal recht allgemein aber auch mit Untertönen, gewisse Veränderungen und Missstände zu erläutern. Dies nutzten die Fraktionen weidlich aus, um dem neuen OB aufzuzeigen, wer hier in Weißenfels die Dinge bestimmt. Ständige Verweise auf bestehende Beschlusslage durch den Stadtrat, geforderte Entscheidungsübernahme durch den OB, rigorose Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen u.s.w. zeigte den zahlreich anwesenden Bürgern, dass mögliche Veränderungen schon im Keim erstickt werden sollen.

Als es in der Sitzung dann konkreter wurde, nämlich als Herr Risch erklärte, warum die Begrünungsmaßnahmen an der Strasse Am Schlachthof gegen bestehende Beschlusslage durch Ihn vorerst gestoppt wurden, stieß dieses auf völliges Unverständnis. Etwaige notwendige neue Gutachten für den Abschluss des B-Plan Nr. 31, finanziert durch die Stadt, ließ die Gesichtszüge manches Stadtrates entgleisen. Bisher haben die Stadträte doch alle Entscheidungen mit Rückhalt der übergeordneten Behörden getroffen, um Arbeitsplätze bei Tönnies und Pelipal zu schaffen. Wenn nun der vom Landesverwaltungsamt vorliegende Genehmigungsbescheid des Fleischwerkes den umliegenden Wohngebieten den durch die Bürgerinitiative „Pro-Weissenfels“ erkämpften Schutzstatus des reinen Wohngebietes manifestiert, müsse die Stadt auf eigene Kosten nachbessern. Warum hier nicht die Verursacher mit beteiligt werden, wurde nicht nachgefragt.

Da sich die Fraktionen CDU, FDP und Die Linke sehr schwer mit den Wahlkampfäußerungen des OB Risch tun, sei hier an die durch CDU und Linke in der Öffentlichkeit postulierte Aussagen erinnert. Man kann seinen Bürgern nicht versprechen, alles für die Einhaltung des Lärmschutzes und der Geruchswerte zu tun. Jetzt, da es große Probleme gibt, will man es in die Verantwortung des OB geben. Mit nun notwendigen Nachfolgeentscheidungen müssen die Stadträte zeigen, dass Sie sich für alle Bürger dieser Stadt verantwortlich fühlen. Einseitige und von der großen Politik vorgegebene Entscheidungen führen meistens zu Konflikten. Eine tiefgründige Beschäftigung mit dem Thema durch die politischen Entscheidungsträger und eine Kompromisssuche durch Stadt, Bürgerinitiative und die Unternehmen hätten im Vorfeld zu manch Klärung führen können.

Clemens Wanzke


Leserbrief vom 17.07.2008 an die WS

Verehrter Herr Arps,
viel zu spät bin ich auf Ihre Internetseite - die Einmannzeitung - aufmerksam geworden. Für einen am Rande der ehemaligen Kreisstadt Wohnenden ist es schon bemerkenswert, wenn er von der bedeutenden Veränderung im Weißenfelser Stadtleben Kenntnis erhält. Zumal Weißenfels in Bezug auf seine ehemals regierten Dörfer ja einfach kastriert worden ist. Sie haben meine volle Sympathie. Es ist einfach befreiend, Ihre Beiträge und Erwiderungen zu lesen. Dabei ist es mir eigentlich auch nicht möglich, die Anwürfe im Original - der MZ - zu lesen, weil ich dieses Hofblatt ablehne und daher auch nicht lese(n kann).

Alleine Ihre Darstellungen sind so befreiend. Endlich hat es mal einen Sinn, dass Demokratie einen Erdrutsch ausgelöst hat. Ich bange und hoffe mit Ihnen und Risch, dass die Vernunft und Ethik auch mal was in Weißenfels zu sagen haben.
Mein Anliegen im Besonderen. Bedingt durch die geographische Lage wohne ich mitten im dräuenden Hexenkessel Lützen-Wiesengrund. Sicher haben auch Sie schon von den Abbaggerungsabsichten der Mibrag gehört. Wenn alles gut geht, erdulden wir in Starsiedel und den umliegenden Dörfern einen Tagebau über 30 Jahre aus nächster Nähe (Starsiedel z.B. 800m Luftlinie), und wenn es mit dem Teufel zugeht, dann erleiden wir dasselbe Schicksal wie Heuerdorf: erst zusehen, dann abgebaggert werden.

Die Stimmung ist entsprechend mies. Wir wehren uns nach Kräften, machen die eine oder andere Aktion - allein, es fehlt die öffentliche Durchschlagskraft. Zwar gelang uns kurzfristig durch Hinweise auf das philosophische Urgestein Nietzsche, die Mibrag und diverse andere Größen zum Einlenken bezüglich Nietzsches Geburtsort Röcken zu bewegen, aber letztlich will die Mibrag hier in Lützen-Wiesengrund ihren neuen Tagebau aufmachen.

Es mangelt an Öffentlichkeit. Unser Problem Tagebau - eigentlich ein Problem aller Menschen, besteht in der nicht vorhandenen Beförderung des Themas in die Köpfe all derer, die das Allgemeinwohl einklagen wollen. Wir wollen mit unserer persönlichen Betroffenheit in der Veröffentlichung die persönliche Betroffenheit des Einzelnen erreichen. Und wir wollen, dass das Thema so endlos hochgekocht und durchgekäut wird, dass es den Oberen zum Erbrechen gereicht. Aber dazu fehlt uns wirklich der notwendige Zugang zu den Medien...

Ich setze auf Sie und Ihren Stachel im Fleische der Selbstzufriedenen. Bitte transportieren Sie unser Anliegen. Ich danke Ihnen im Namen der Menschen von Lützen-Wiesengrund von Herzen.

Hochachtungsvoll
Kurt-L. Schornsheim


Leserbrief an die WS vom 12.07.2008
Herr U.B. aus Weißenfels schreibt mir mit Name und Hausnummer folgendes:

„Ständig erreichen uns Zahlen über die hohe Arbeitslosigkeit, speziell im Osten. Wer sich auskennt weiß, dass diese Angaben manipulierte Statistiken sind, weil große Teile der arbeitslosen Bevölkerung gar nicht einbezogen werden.
Um so mehr steigert sich meine Wut wenn ich lese, dass der abgewählte OB Manfred Rauner einen Arbeitsplatz in unserer Region erhält. Das Unternehmen wird vorsorglich erst einmal nicht genannt. Doch jeder von uns kann sich an fünf Fingern abzählen, dass die neue Arbeitsstelle erst erfunden werden muss, um einen unqualifizierten Mitarbeiter zu integrieren. Sehen Sie, dies ist alles möglich, wenn der Parteienclan, der Hofstaat funktioniert.
Und da erleben wir täglich die andere Seite. Unsere Jugend erhält nach erfolgreichem und vor allen Dingen hochwertigem Abschluss nach dem Studium kein Praktikum, geschweige eine leitende Stelle gemäß der nachgewiesenen Qualifikation. Die jungen Kader wandern ab, etablieren sich in Altbundesländern, gründen Familien oder nehmen ihre Partner gleich mit.

Für unsere Region, für Entwicklung unserer Wirtschaft hier im Osten stehen diese Akademiker nicht mehr zur Verfügung. Einmal weg- immer weg !!!
Dieses Trauerszenario erlebe ich in der eigenen Familie, bin darüber sehr traurig aber eben auch sehr wütend. Es ist ein Skandal für alle aufrechten und arbeitswilligen Menschen in Ostdeutschland und speziell hier in Weißenfels.

Mit freundlichen Grüßen. U.B.


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